Die außergewöhnlichen Fähigkeiten von Wolle

Schafe säumen sich entlang der Hügel. Man hört nur ihr Blöken und das Rupfen von Gras. Ein Hund bewacht sie aufmerksam. Schafwolle besticht von Natur aus mit hervorragenden Eigenschaften. Die verblüffende Fülle an Vorteilen ist mit Kunstfasern nicht erreichbar. Wolle ist antibakteriell und dadurch gleichzeitig auch geruchsarm. Geschuldet ist dies der Oberflächenstruktur von Wollfasern. Während Synthetikfasern glatt sind, sind Wollfasern schuppig; sie erinnern bildlich gesprochen an Dachziegel. Aus diesem Grund fällt es Bakterien schwer, sich auf den Wollfasern festzusetzen – und damit unangenehmen Gerüchen. Außerdem transportiert Wolle Feuchtigkeit schnell ab. Dadurch kann sich weniger Schweiß mitsamt seinen Gerüchen auf der Haut ansammeln.

Auch das Eiweißmolekül Keratin, das in Wolle enthalten ist, trägt seinen Teil zu der geruchshemmenden Wirkung bei: es baut Bakterien ab. Des Weiteren macht sich die Faser einen mechanischen Selbstreinigungsprozess zunutze: Der Faserkern besteht aus zwei unterschiedlichen Zelltypen, die unterschiedliche Mengen an Feuchtigkeit aufnehmen und daher ungleichmäßig stark anschwellen. Dadurch entsteht eine konstante Reibung und die Faser reinigt sich immer wieder aufs Neue von selbst.

Ausgezeichnete Temperaturregulierung im Sommer und Winter

Was Wolle am meisten auszeichnet, sind ihre hervorragenden feuchtigkeits- und temperaturregulierenden Eigenschaften. Im Winter hält sie Deinen Nachwuchs mollig warm, im Sommer kühlt sie. Wolle wärmt unter anderem, weil sie isoliert. Wusstest Du, dass Luft bis zu 85% des Gesamtvolumen der gekräuselten Fasern ausmachen kann? Durch die Kräuselung entstehen Luftpolster, welche die Körperwärme speichern. Luft ist ein schlechter Wärmeleiter und dadurch ein hervorragender Isolator. Daher kommt auch der bekannte Zwiebellook!

Schafwolle wärmt also nicht von sich aus, sondern weil sie keine Körperwärme entweichen lässt. Doch die Luft dient nicht nur als Isolationsschicht vor Kälte im Winter, sondern auch vor Hitze im Sommer. Dieses Prinzip machen sich übrigens auch doppelwandige Fenster zu Nutze: die zwischen den Scheiben eingeschlossene Luft wirkt isolierend – sowohl im Sommer als auch im Winter.

Selbst wenn es anfängt zu regnen, behält Wolle ihre thermoregulierenden Eigenschaften bei. In anderen Worten, selbst wenn es feucht wird, fühlt sich Wolle (im Gegensatz zu Daunen) noch angenehm warm an. Die Wollfaser ist so aufgebaut, dass Feuchtigkeit in den Faserkern wandert, während die Oberfläche trocken bleibt – dazu gleich noch mehr. Doch es kommt noch besser: Durch einen exothermen Prozess erwärmt sich die Faser aktiv, wenn sie Feuchtigkeit absorbiert. Dies liegt an den polaren Fasern der Wolle: wenn diese mit Wassermolekülen aufeinandertreffen, setzen sie Absorptionswärme frei. Dadurch kann sich die Temperatur um bis zu 10 Grad erhöhen! Dies passiert so lange, bis der Stoff mit Wassermolekülen gesättigt ist. Doch auch ein durchnässter Wollstoff kann noch Wärme spenden, da bei Bewegung mechanisch Reibungswärme entsteht. Tipp: Bei straken oder langem Regen solltest Du schnell auf Deine mitgelieferte Regenhaube zurückgreifen.

Beste Feuchtigkeitsregulierung

Aber nochmal zurück zu der Sache mit der Feuchtigkeit. Oben haben wir bereits angedeutet, dass die Wollfaser Feuchtigkeit ins Innere leitet. In anderen Worten, Wolle besitzt eine einzigartige Feuchtigkeitsregulierung. Doch die Zahlen dazu sind wirklich bemerkenswert: Das Faserinnere der Wolle kann bis zu 35% des Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. Im Vergleich: Kunstfasern können unter 10% ihres Trockengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen.

Diese Eigenschaft verdankt die Wollfaser ihrer hygroskopischen Struktur: Die Oberfläche bleibt trocken, da sie wasserabstoßend ist. Das Faserinnere hingegen kann besonders viel Wasserdampf besonders schnell binden. Dieses Phänomen hilft nicht nur bei Regen; das Fasernetzwerk leitet auch Schweiß durch kleinste Kanäle schnell ins Innere. Zusammengenommen kann die Wollfaser schwankende Feuchtigkeitsniveaus in ihrer Umgebung dank ihres Aufbaus besonders gut ausgleichen.

Wieso wir extra erwähnen, dass sie sowohl Schweiß als auch Regenässe aufnehmen kann? Genauso wie Wolle dank der Feuchtigkeitsregulierung im feuchten Zustand warm bleibt, ist Isolation nicht der einzige Weg, auf dem Schafwolle im Sommer kühlt. Wenn die Umgebungsluft warm ist, verdunstet der aufgenommene Schweiß an der Außenseite des Stoffes schneller. Doch für diesen Verdunstungsprozess wird Energie benötigt. Diese entziehen die Moleküle der Schaffaser in Form von Wärme. Die Schaffasern kühlen ab und es entsteht Verdunstungskälte.

Dank ihres hygroskopischen Aufbaus hält die Faser übrigens auch Hausstaubmilben fern; diese benötigen ein feuchtes Klima um sich wohl zu fühlen. Damit beugt sie auch Asthma-Attacken vor, die durch die Allergene der Hausstaubmilbe ausgelöst werden können.

Wolle ist schmutz- und wasserabweisend

Nicht nur ihre antibakteriellen und thermoregulierenden Eigenschaften machen Wolle zu einem idealen Stoff für Kinderwagen: Wolle weist Schmutz besser ab als andere Fasern. Wie eben erläutert, weißt die Oberfläche zudem Wasser ab. So kann man etwas verschütten und schnell aufwischen, bevor bleibende Flecken im Stoff entstehen.

Möglich wird dieses schmutz- und wasserabweisende Verhalten durch das Wollfett Lanolin, welches auf der Oberfläche der Faser liegt. Durch dieses Schutzschild bleiben Wasser- und Schmutzpartikel auf der Oberfläche hängen und können nicht in das Faserinnere eindringen. Durch die starke Kräuselung der Fasern entsteht zudem eine Art Lotuseffekt: Die Wassertropfen haben nur eine sehr geringe Angriffsfläche und perlen durch ihre Oberflächenspannung einfach ab. Wolle ist zudem antistatisch. Daher zieht sie keinen Dreck, Staub oder Fusseln an. Wolle ist sehr langlebig: Die Fasern können bis zu 20.000 Mal gebogen werden, ohne dass sie brechen. Dadurch ist Wollstoff bestens geeignet für einen Kinderwagen: er hält auch intensiver Benutzung stand. Wolle neigt nicht zum Knittern: Auch wenn Wolle um 30% gedehnt wird, zieht sie sich in ihre natürliche Form zurück. Ihre komplex gewundene Struktur sorgt für die nötige Elastizität, damit die Wolle nicht flach und hard wird.

Doch nicht nur das, Wolle ist auch schwer entflammbar. Die Temperatur, bei der sie sich entzündet, ist sehr hoch. Dadurch verkohlt Wolle, anstatt zu verbrennen. Wenn also zum Beispiel eine Zigarette mit dem Stoff in Verbindung kommt, entsteht nur ein einzelner Brandfleck. Doch nicht genug mit den bereits gelisteten Vorteilen. Wolle bietet bis zu einem gewissen Grad auch UV-Schutz: Polyester besitzt den höchsten integrierten Lichtschutzfaktor, danach kommen Wolle, Polyamid und Seide. Das Schlusslicht bilden Baumwolle, Viskose und Leinen.

Daneben ist Wolle nachhaltig, da sie selbstverständlich eine nachwachsende Resource ist. Im Vergleich zu Kunstfasern ist die Gewinnung der Schaffasern umweltfreundlicher und ressourcenschonender. Denn Kunstfasern werden auf der Basis von Erdöl hergestellt. Dazu werden nicht nur viel Energie, sondern auch viele Chemikalien benötigt. Im Gegensatz zu Kunstfasern ist Schurwolle biologisch abbaubar, wenn sie ihren Dienst geleistet hat. Synthetische Kleidung zum Beispiel benötigt mindestens 30 Jahre bis sie zersetzt ist.

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